Akkordeonale 2012

Servais Haanen

Bereits zum vierten Mal lädt der Niederländer Servais Haanen Musiker aus unterschiedlichsten Ländern ein, die kulturelle Vielfalt auf einen Nenner zu bringen: das Akkordeon.

Die Akkordeonale sprengt dabei alle einschlägigen Klischees des Instruments von gemütlicher volkstümelnder Biederkeit. Hier bekommt man das Akkordeon mit seinem prallen musikalischen Reichtum zu hören: von traditionell bis zeitgenössisch, folkloristisch, virtuos, temperamentvoll, und höchst eigenwillig.

Dieses Jahr erwartet das Publikum ein buntes Gemisch aus Tango Argentino, Balkan-Gypsy, steirischem Jazz, Scottish Folk gemixt mit Haanens Klangästhetik und angereichert mit Geige und Posaune.

So verschieden, wie die Instrumente (chromatische Pianoakkordeons, diatonische Ziehharmonikas, Bandoneon), so unterschiedlich sind auch die Herangehensweisen und Stile der Musiker: Der eine ist hoch studiert mit klassischer Ausbildung, der andere kann vielleicht keinen Noten lesen, hat aber das Instrument von frühester Kindheit an ganz selbstverständlich innerhalb seiner Kultur erlernt. So entsteht ein spannendes Nebeneinander auf der Bühne.

Doch versteht sich die Akkordeonale nicht nur als Vorstellungsplattform landestypischer Musikstile. Mit frischem globalen Wind aus fünf Akkordeonbälgen entsteht auch etwas Neues: In den Ensemblestücken vermischen sich die Kulturen und hinterlassen den Geschmack eines ganz besonders intensiven Ereignisses.

Servais Haanen rundet mit trockenem Witz und Sachverstand, Anekdoten über die Musiker und allerlei Wissenswertem über die Instrumente und Stile das Programm ab. Nach dem Motto: Akkordeon ist ein schönes Instrument, auch wenn manche das Gegenteil behaupten! bricht er mit seinem Festival einmal mehr die Lanze für dieses viel geliebte und oft verkannte Instrument, das eines verspricht: da steckt jede Menge Musik drin!

Sehen — Hören — Genießen!

Mehr oder we­ni­ger lie­be­voll ti­tu­liert als Quetsch­kom­mo­de, Schif­fer­kla­vier, Schwei­ne­or­gel, Bla­se­balg der Höl­le  o­der asth­ma­ti­scher Wurm, be­sitzt das Ak­kor­de­on min­des­tens e­ben­so­viel Charme wie Na­men. Und ob­wohl vie­le das Instrument lieben, es selbst spielen oder eins auf dem Dachboden ste­hen ha­ben, wis­sen die we­nigs­ten Leu­te von der wil­den Kar­ri­e­re und dem welt­wei­ten Ein­fluss die­ser ei­gen­wil­li­gen Wun­der­kis­te.

Wie kaum ein zwei­tes Ins­tru­ment hat sich das ver­gleichs­wei­se jun­ge Ak­kor­de­on (er­fun­den 1829) in ei­ner a­tem­be­rau­ben­den Ge­schwin­dig­keit ü­ber Lan­des- und Kon­ti­nen­tal­gren­zen hin­weg ver­brei­tet. Mas­sen­wei­se ex­portiert in die Ko­lo­ni­en o­der im Hand­ge­päck ein­ge­schleppt von E­mi­gran­ten schuf es sich ei­nen nicht mehr weg­zu­den­ken­den Platz in der Mu­sik der gan­zen Welt.

Ei­gent­lich kann man nicht von dem Ak­kor­de­on spre­chen, da das Ins­tr­ument im­mer wie­der um­ge­baut, ver­än­dert, ver­fei­nert und an die lo­ka­len Be­dürf­nis­se an­ge­passt wur­de – da­raus ent­stan­den ver­schie­de­ne Ins­tru­men­ten­ty­pen, die sich durch un­ter­schied­li­che Sys­te­me, Grös­sen, Form, Ton­um­fang und Spiel­tech­nik un­ter­schei­den.

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